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Medieninformation vom

70 Jahre Landkreistag Baden-Württemberg: Eine starke Stimme für die kommunale Familie in stürmischen Zeiten

Landkreistagspräsident Brötel: „Der runde Geburtstag ist geprägt von der ernsten Sorge um die Zukunft der kommunalen Selbstverwaltung“

Am Freitag, den 3. Juli 2026, blickt der Landkreistag Baden-Württemberg auf sein 70-jähriges Bestehen zurück. Der Präsident des Landkreistags Baden-Württemberg, Landrat Dr. Achim Brötel, der zugleich Präsident des Deutschen Landkreistags ist, würdigt dieses Jubiläum:

„Als sich die Landräte am 3. Juli 1956 in Ludwigsburg zur Gründungsversammlung trafen, war dies ein hart errungener Meilenstein, um nach den Wirren der Nachkriegszeit endlich mit einer Stimme gegenüber der Landesregierung des vier Jahre zuvor gegründeten Südweststaats aufzutreten. Heute, sieben Jahrzehnte später, ist diese Geschlossenheit angesichts einer historisch zu nennenden Finanzkrise der Kommunen wichtiger denn je.

Der Landkreistag hat in den vergangenen Jahrzehnten einen gewichtigen Beitrag geleistet, damit die Landkreise maßgeblich an der Erfolgsgeschichte Baden-Württembergs mitwirken konnten. Wenn Baden-Württemberg auf lange Phasen wirtschaftlicher Prosperität zurückschauen kann, über eine durch kluge Reformen bestens aufgestellte Verwaltung verfügt und gerade in den letzten Jahren gut durch verschiedenste Krisen gekommen ist, dann hat dies viel auch mit den Landkreisen und ihrem Spitzenverband zu tun.

Umso bedrückender ist der beispiellose Finanznotstand, in den die Landkreise gemeinsam mit den Städten und Gemeinden geraten sind. Überbordende finanzielle Verpflichtungen aus gesetzlichen Pflichtaufgaben und sich auftürmende Defizite drohen die Handlungsfähigkeit der Kreise in den kommenden Jahren in einem Maße einzuschränken, dass von kommunaler Selbstverwaltung, wie sie in den letzten Jahren erfolgreich gelebt wurde, nicht mehr viel übrig zu bleiben droht.

Deshalb nutze ich die Gelegenheit unseres Verbandsjubiläums, um nochmals in aller Deutlichkeit auf die fundamentale Krise der Landkreise und der gesamten kommunalen Familie hinzuweisen. Niemand soll uns später vorwerfen können, wir hätten nicht deutlich genug gewarnt: Ohne rasche Finanzhilfen von Bund und Land droht den in Baden-Württemberg jahrzehntelang soliden Kommunalhaushalten die endgültige Zerrüttung und sind massive Kürzungen im Bereich der Daseinsvorsorge – vom ÖPNV bis zur Krankenhausversorgung – vorprogrammiert. Es braucht aber noch mehr: In Berlin und Stuttgart muss jetzt endgültig der Reformmotor zünden. Denn ohne Aufgabenabbau und die Rücknahme von unfinanzierbaren Leistungsversprechen wird es nicht gehen.

Die Geschichte unseres Verbandes lehrt uns, dass wir politisch dann erfolgreich sind, wenn wir mit einer Stimme sprechen. Dieser Zusammenhalt ist unser wertvollstes Kapital. Wir sind bereit, auch in den kommenden Jahren hart für die Interessen unserer Bürgerinnen und Bürger zu streiten – für eine kommunale Selbstverwaltung, die diesen Namen auch verdient und die unverzichtbare Basis unseres föderalen Staates bildet.“


Lesehinweis zum Jubiläum:
Wer mehr über die spannende Gründungsgeschichte des Landkreistags erfahren möchte, findet auf landkreisnachrichten.de den ausführlichen historischen Rückblick „Zwischen Südweststaatsfrage und Aufbruch“ von Manfred Waßner, dem Kreisarchivar des Landkreises Esslingen und Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Kreisarchive des Landkreistags Baden-Württemberg. Der Beitrag beleuchtet, wie die Landräte in der Gründungszeit des Landkreistags tiefe regionale Gräben und Vorbehalte überwinden mussten, um eine bis heute schlagkräftige Interessenvertretung aus der Taufe zu heben.

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